Art Gallery

Stadtmuseum, Bozen

Ausgangslage beim Kunden
Im Zuge einer geplanten Neuausrichtung des Lagerkonzepts stand der Kunde – eine Institution mit langjähriger Sammlungstradition seit 1905 – vor der Herausforderung, seine bestehenden Depotflächen an aktuelle konservatorische Standards anzupassen. Die vorhandenen Räumlichkeiten boten weder ausreichend stabile klimatische Bedingungen noch die nötige Flexibilität für eine effiziente Lagerung von empfindlichem Kulturgut wie Gemälden, Fotografien oder Papierarbeiten. Ziel war es daher, eine zukunftssichere Lösung zu entwickeln, die sowohl die professionelle Aufbewahrung als auch eine öffentlich zugängliche Präsentation einzelner Objekte ermöglichen würde – im Sinne eines modernen Schaudepots.

Lösung und Umsetzung
Kernstück der neuen Depotstruktur bildet ein anpassbares Kompaktsystem, das sich aus verschiedenen Grund- und Erweiterungseinheiten zusammensetzt. Die Lagerelemente bestehen aus stabilen Schiebewänden, die auf langlebigen Bodenrollen laufen. Jede Wand wird aus zwei verschraubten Gittermodulen gefertigt, eingefasst in ein U-Profil oben und unten und vollständig beschichtet in Papyrusweiß (RAL 9018). An der Front sorgt ein eloxiertes Aluminiumprofil (50 × 40 mm) für strukturelle Verstärkung und ein hochwertiges Erscheinungsbild. Die Tragkonstruktion – freistehend und bodengestützt – wird über vier justierbare Füße exakt ausgerichtet und auf das Bodenniveau angepasst. Ein integrierter Gummistopper fungiert als sicherer Endanschlag.
Zusätzlich zur Lagerlösung wurde ein bewegliches Ausstellungssystem realisiert, das aus fünf ausziehbaren Tafeln innerhalb eines transparenten Rahmens besteht. Der Rahmen ist so konzipiert, dass er scheinbar schwebend etwa einen Meter über dem Boden positioniert ist. Dank seiner Mobilität lässt sich das Element frei im Raum verschieben und ermöglicht so eine flexible Neugestaltung der Raumstruktur – Sichtachsen lassen sich bewusst öffnen oder schließen, der dramaturgische Aufbau der Ausstellung kann mit wenigen Handgriffen verändert werden.
Eine besondere technische Anforderung bestand in der geneigten Montage aller Tafelelemente. Diese vorgabengenaue Neigung erforderte höchste Präzision in Planung und Ausführung, um sowohl statische Stabilität als auch eine harmonische Ausrichtung innerhalb des Raumes zu garantieren.

Ergebnis
Mit dem neuen System erhielt das Stadtmuseum Bozen eine hochgradig funktionale Lösung, die zeitgemäße Depottechnik mit einem kuratorisch nutzbaren Präsentationsansatz kombiniert. Das modulare Schaudepot maximiert die Lagerkapazität, ohne die Zugänglichkeit der Objekte einzuschränken, und überzeugt durch eine klare, reduzierte Formsprache sowie durchdachte technische Details. Das mobile Ausstellungssystem erweitert den musealen Handlungsspielraum erheblich: Es erlaubt wechselnde Präsentationsformen und Rauminszenierungen – ganz ohne feste bauliche Strukturen. Damit wurde eine zukunftsfähige Infrastruktur geschaffen, die sowohl den konservatorischen als auch den kuratorischen Anforderungen in idealer Weise gerecht wird.

Baujahr: 2023
System: Art Gallery
Anzahl Gitterauszüge: 11 Stück
Gitterhöhe:  2200 mm
Gitterlänge:  2035 mm
Hängefläche: 99 m2